Die ersten zwei Wochen am WPI

Nachdem ich es jetzt ein wenig hab schleifen lassen mit dem Bloggen kommt hier mal wieder ein kleines Update von mir aus dem Westen. Die ersten zwei Wochen am WPI sind fast vorüber und ich möchte mal ein wenig berichten, was in der Zeit hier so passiert ist.

Erst mal ein wenig bezüglich meinen Vorlesungen am WPI. Eines meiner Fächer nennt sich “English Writing for non-native Speakers” und richtet sich – wie der Name schon sagt – ans ausländische Studierende wie mich. Beigebracht bekommt man hier die notwenigen Writing-Skills, welche man zum Schreiben von Essays oder sonstigen Assignments, also Hausaufgaben, benötigt. Hier darf ich zwei etwa zwei mal die Woche ein kleines Essay oder Paragraph schreiben und regelmäßig Schreib-, Lese- oder Grammatikübungen auf einer hochschulinternen Internetplattform machen. Allgemein bin ich jedoch ganz zu frieden mit dem Kurs und es ist in etwa das, was ich mir davon erhofft habe. Ob es jetzt von Niveau her zu mir passt oder doch zu leicht ist kann ich jetzt noch nicht sagen, jedoch bin ich beim Schreiben in English (oder eigentlich egal in welcher Sprache … Programmiersprachen davon mal ausgenommen) noch nie so der Held gewesen. Von dem her bin ich ganz zufrieden damit, wenn es hier und da auch nochmal irgendwelche Grundlagen auffrischt.

Mein zweites Fach, welches ich im A-Term belege, ist “Technical Game Development 1” und mein absoluter Lieblingskurs! Hier haben wir in der ersten Woche mit der Dragonfly Game Engine unseres Professors ein kleines Retro-Spiel entwickelt, welche auch schon 10% von der Endnote ausmacht. Aktuell sind wir gerade dabei diese textuelle 2D Game Engine von Grund auf selber zu implementieren, mit welchem wir dann in einem letzten Teamprojekt noch für ein ausgiebigeres Spiel einsetzen müssen. Was mir hier besonders gut gefällt dass hier der klare Fokus auf die Entwicklung einer Game Engine gelegt wird, welche (abgesehen von Curses) keine fremden Libraries einsetzt. Man muss sich also beispielweise um den kompletten Lebenszyklus, Speichermanagement, Eventmanagement oder Ressourcenmanagement kümmern und bekommt so ein gutes Verständnis von der Architektur einer Game Engine. Ich bin mir sicher dass hier meine XNA Game Engine, welche ich 3 Wochen vor meiner Abreise begonnen habe, sehr von dieser Vorlesung profieren wird. In der Vorlesung selbst merkt man aber schon eine starke Varianz beim Wissenstand einiger Kommilitonen, wie zum Beispiel im Umgang mit Objekt-orientierten Sprachen wie C++. Ich bin mir hier nicht sicher wie gut die hier auf diesen Kurs vorbereitet werden, denn es werden wirklich tiefgreifende C++ Kenntnisse benötigt. Bei manchen Fragen musste ich aber dann hin und wieder Schmunzeln.

Der dritte und damit letzte Kurs nennt sich “Augmented Reality” und hatte ich heute zum ersten Mal, da am letzten Montag Labor Day (so etwas wie Tag der Arbeit) war und der Kurs somit ausgefallen ist. Im Gegensatz zu den anderen Vorlesungen geht dieser auch über beide Terms, da es sich hierbei um einen Graduate-Kurs (also Master-Modul) handelt. Hier habe ich heute schon ein wenig gemerkt, dass hier ein deutlich höheres Niveau abverlangt wird, denn nicht nur die Vorlesungen sind hier doppelt oder dreifach so lange, sondern auch hier darf ich jede Woche ein bis zwei Research-Papers lesen, Paper-Summaries schreiben, 3 Projekte zu drei unterschiedlichen Themengebieten von AR und letztlich noch ein größeres Teamprojekt bewältigen. Ich hoffe mal das geht alles glatt über die Bühne, denn von den drei vorausgesetzten Kursen Computer Vision, Human Computer Interaction und Computergraphics habe ich nur den letzten bisher belegt. Wird also vermutlich die härteste Nuss für mein Auslandssemester. Das einzig Gute ist hier, dass ich mir diesen Kurs sehr wahrscheinlich nicht anrechnen lassen werde, wodurch die Note am Ende fast egal ist. Aber da das Thema wirklich sehr spannend und zukunftsweisend ist, will ich trotzdem versuchen am Ball zu bleiben.

Zusammenfassend ist das Studieren hier in den USA doch ziemlich unterschiedlich zu Deutschland. Man ist durchgehend mit Hausaufgaben, Test, Projekte, Readings, Essays oder andere Abgaben beschäftigt, dass oft vom Tag nicht viel übrig bleibt. In Deutschland hat man hier doch zumindest in der ersten Hälfte des Semesters deutlich mehr Freizeit.

Wenn ihr nun bis hier hin fleißig gelesen habt dürft ihr euch nun freuen, denn der formale Teil ist nun vorbei. Jetzt kommen noch ein paar Dinge aus den Stunden rund um die Uni und die Wochenenden.

Anfangen möchte ich mit dem BBQ, welches wir gemeinsam mit dem German-Club bei uns im Salisbury Estates veranstaltet haben. Im German-Club sind Studierende des WPI, welche entweder schon einmal an der HTWG waren, noch hin gehen möchten oder sonst deutsch an der Uni lernen und sich zudem für den Club interessieren. Hier gab schön Burger, Hot-Dogs oder sonstige fleischige Leckereien. Wie jedoch typisch Amerikanisch war das BBQ jedoch als das Essen weg war ziemlich schnell vorüber und alle von German-Club ratz-fatz weg. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, denn wenn in Deutschland an einer Feier jemand sagt, dass er bald gehen wird, dann geht das oft noch knapp eine Stunde, bis man dann wirklich verschwindet. Hier sind es nur wenige Minuten. Hat absolut nichts mit Unhöflichkeit zu tun, auch wenn man es als Deutscher unbewusst so empfinden mag. Ist einfach eine andere kulturelle Einstellung hier.

 

An den Wochenenden muss man sich hier in Worcester auch an eine etwas anderes Partykultur gewöhnen. Hier gibt es wirklich wenig richtige Clubs, sondern vieles läuft hier in privaten House Parties oder in den Fraternities (die Studentenverbindungen) ab. Die House Parties sind fast immer öffentlich, was also bedeutet dass es hier anscheinend echt viele Leute gibt, die gerne ihre gesamte Wohnung von wild fremden Leuten zerstören lassen wollen. Denn nach einigen Parties sag es da schon recht übel aus. In Studentenverbindungen haben wir mittlerweile lernen müssen, dass es hier 3 Stufen von Veranstaltungen gibt, nämlich Socials, Snocials und Parties. Wohingegen die ersten beiden meistens öffentlich sind und eher etwas ruhiger oder kleiner zugehen, muss man bei den richtigen Frat-Paries auf Gästelisten stehen, um hineingelassen zu werden. Am ersten Wochenende sind wir von Frat zu Frat gewandert und haben da echt lustige Stunden erlebt oder coole Leute kennengelernt. Bei einigen musste man dann an den Folgetagen oft sogar feststellen, dass die dann bei dem ein oder anderen im selben Kurs sind. Beim feiern lernt man halt eben am besten neue Leute kennen. Das letzte Wochenende war jedoch schon gleich unser erster großer Flop. Stefan hatte am Mittag einen Studenten einer Frat kennengelernt, welcher dann Versprochen hat uns auf die Gästeliste zu setzen. Am Eingang des Greek House kam es jedoch dazu wozu es kommen musste: Wir waren NICHT auf der Liste! Also sind wir auch nicht rein gekommen. Aus unserer Verzweiflung sind wir dann noch zu einer anderen Frat-Party um die Ecke gelaufen, welche uns natürlich auch den Eintritt verwehrt hat. Und als wir dann dann von einer netten Latein-Amerikanerin zu einem Geburtstag eines Freundes eingeladen wurden, stellte sich dann auch dort am Eingang heraus, das wir als Deutsche dort nicht willkommen sind. Danach war für mich und die meisten anderen dann der Abend gelaufen. Ein kleiner Teil von uns ist dann noch mit dem Deutsch-Club weiter in eine Bar, jedoch haben die dann nach wenigen Minuten dort feststellen müssen, dass an dem Tag unglücklicherweise “Gay-Night” war. Es lief also alles schief, was nur schief laufen konnte. Aber Kopf hoch, es kann nicht immer alles klappen. Was man jedoch immer im Hinterkopf behalten muss als Deutscher in den USA: Hier wird einfach zu anderen Uhrzeiten gefeiert. Wenn in Deutschland eine Party erst richtig los geht, ist hier schon alles vorbei. Wir sind also oft immer erst zum Ende die vielen Parties eingetroffen. Daran muss man sich erst mal gewöhnen…

Auf den folgenden Bildern findet ihr noch ein wenig gemischte Bilder von hier und da, darunter beispielsweise unsere ersten Self-Made-Burger, Geroge und Dillon, welche wir am ATO-Greek-House kennengelernt haben (welche dann noch anschließend zu ein paar Trinkspielen zu uns gekommen sind und dabei überragend kassiert haben – so sehr, dass sie am nächsten Tag nicht einmal mehr wussten, dass sie bei uns waren :D), ich beim Kochen oder das letzte Bild mit dem Titel “Wenn deutsche in den USA einkaufen gehen”.

 

Am letzten Freitag hat nun auch noch die Football Saison begonnen. Dies haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen und uns gleich mal das erste Spiel unseres Uni-Teams angesehen. Gespielt wurde gegen das private Curry College (lustiger Name wie ich finde) aus der Nähe von Boston. War schon teilweise etwas komisch ein Spiel zu verfolgen, wenn man einige Regeln einfach nicht kennt. Da springen oft alle Fans auf und ab und man selber weis einfach nicht warum oder was da gerade passiert ist. Spaß hat es jedoch trotzdem gemacht, jedoch war mir das Spiel mit 3 Stunden doch etwas zu langwierig. Da ist Fußball mit seinen 90 Minuten doch deutlich angenehmer bemessen. Geendet hat das Spiel übrigens 47:27 für unser Team, die Worcester Engineers. Ein paar Impressionen zum Spiel findet ihr hier (und es tut mir leid für die schlechten Bilder, aber ich hatte meine DSLR hier nicht dabei):

Laut den Angaben vieler Studenten sollte man sich jedoch nicht auf eine Siegesserie hoffen, denn das täglich trainierende (wirklich abnormal!) Team hat in der letzten Saison die meisten ihrer Spiele verloren und soll eher zu den schlechteren Teams zählen. Was hier am WPI jedoch überragend sein soll ist das Basketball-Team, welches schon einige Male die Meisterschaft gewonnen hat und zwei Ligen oberhalb des MIT spielt. Ein Spiel davon werde ich mir auf jeden Fall mal ansehen. Genau so wie ein American League Eishockey spiel hier bei den Worcester Sharks (dessen Logo genau so ausschaut wie das der San Jose Sharks, weil die se beiden Teams kooperieren und die guten Spieler später mal in San Jose landen … hat mir zumindest der Ticketverkäufer am WPI so erklärt) und natürlich ein NHL Spiel der Boston Bruins darf ich auch nicht verpassen.

Abschließen möchte ich diesen Post mit dem Gruppenfoto der ISC Orientation Week. Ich bin irgendwo auf der rechten Hälfte zu finden mit Sonnenbrille. Könnt ihr mich finden?ICS_Orientation_Group

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